[Warum ich Kinderkleidung nähe]


Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas weiter in die Vergangenheit abschweifen. Ich bin zweifache Tochtermama. Meine Töchter sind jetzt 26 und 21 Jahre alt. Sie fallen nun definitiv nicht mehr unter das Thema Kinderkleidung. Wie sehr wünschte ich mir, ich hätte damals schon nähen können, als sie noch kleine Mäuse waren.

Wie ihr euch vorstellen könnt, gab es in den 90er Jahren noch nicht so viel Auswahl an Geschäften, die schöne Kinderkleidung im Sortiment hatten. Man besuchte einfach die gängigen Läden, um kein Vermögen auszugeben. Das Risiko etwa 50 Kinder im selben Kleid zu sehen, war also relativ hoch. Doof! Wie auch an mir selbst, mochte ich an den Kleinen immer individuelle Stücke. Also blieb mir nichts anderes übrig, als ungewöhnliche Bekleidung im Secondhandbereich zu kaufen. Das habe ich getan und immer darauf geachtet, dass Material und Farbzusammenstellung passend waren. Ihr könnt euch vorstellen, dass es mir nicht immer leicht gemacht wurde ... und schon befand ich mich auf dem Weg zu C&A, um ergänzende Stücke zu finden.

So viel zur Vorgeschichte.

Ihr habt sicherlich auch etliche Reportagen über Kinderarbeit, Chemikalien etc. im Fernsehen gesehen, die so manch Billigbranche nutzt, um Kindermode zu vertreiben. Ehrlich? Ich möchte mein Kind nicht in Chemie verseuchte Kleidung stecken, um so das Allergierisiko zu erhöhen. Wir Erwachsene achten peinlich genau darauf, was wir tragen, woher es kommt und was in der Kleidung steckt. 



Alle nähenden Mütter fertigen fast ausschließlich die Kleidung ihrer Kinder selber! Das finde ich sehr schlau.

Die Vorteile von selbst genähter Bekleidung liegen ganz klar auf der Hand:

- in fast 100 % ist es möglich, die Herkunft und Herstellungsart der     verwendeten Stoffe nach zu vollziehen
- sehr viele Stoffe sind GOTS zertifiziert oder als Biostoff deklariert
- die Mode ist individuell und es sind einzigartige Stücke
- in ganz seltenen Fällen kostet ein handgenähtes Kleidungsstück mehr als ein Stück aus dem Einzelhandel

Den letzten Punkt glauben viele nicht, aber wir Selbernäher arbeiten in seltenen Fällen auf großen Profit. Natürlich sollte eine Handarbeit anerkannt werden, einen Wert besitzen, aber wir kalkulieren knapp! Ich z.B. berechne die Stoffmenge, die zusätzlichen Materialien, die Arbeitszeit und eine von mir sogenannte Aufwandsentschädigung. Diese beinhaltet die Kosten für z.B. Dawanda oder Standgebühr auf Märkten etc. Hierbei handelt es sich um Centbeträge.

Ein weiterer Vorteil von selbst genähter Kinderkleidung ist die Möglichkeit, auf Wunsch zu nähen. Geht mal in ein Geschäft und sagt: das Kleid hätte ich aber lieber mit gelben Knöpfen und der Kragen gefällt mir so nicht :-) ... naja, wird wohl nicht klappen. Bei mir (und uns allen) geht das! Ich habe ein Hemd für eine Kundin genäht, das für ihren Sohn tatsächlich maßgeschneidert wurde. Sie selbst hat den Stoff ausgesucht, die Knopffarbe bestimmt und die Kragengröße:


Der Kleine trägt nun ein Hemd, das niemand anders hat, das qualitativ hochwertig ist und zudem handgearbeitet. Sie hat exakt 25 Euro dafür bezahlt. Ist das zu teuer?

Es gibt so viele gute Argumente für selbst genähte Kinderkleidung. Hätte ich damals die Möglichkeit gehabt, sie selber zu nähen oder jemanden zu kennen, der das macht, ich hätte zugegriffen.

Immer, wenn ich z.B. ein Kleid nähe, dann habe ich eines meiner Mädchen vor meinem inneren Auge und stelle es mir darin vor. Das sage ich auch öfters: stell dir mal Toya in klein in diesem Kleid vor ... wow, wäre das niedlich! 


Ihr müsst mich mal sehen, wenn ich z.B. in Berlin bin und Stoff kaufe (der Stoff für das Jeanskleid ganz oben ist aus Berlin), dann habe ich schon ein Kleid oder so vor Augen und so nähe ich auch. Meine Sachen sind schlicht, ohne viel Schnickischnacki ... darauf habe ich noch nie so gestanden ... und manchmal sind sie auch voll süss, verspielt ... individuell eben.

Wenn ihr nicht nähenden Mamas eure Kinder individuell und schadstofffrei kleiden wollt, dann wendet euch doch mit euren Wünschen direkt an eine nähende Frau. Ihr werdet sehen, sie erfüllt eure Vorstellungen und denkt nicht, ihr müsst ein Vermögen dafür ausgeben! Das ist nämlich nicht so :-)

Was sagen denn meine Kolleginnen,
die ihre Kinder selber benähen?

Edith

Kommentare

  1. Ich habe jetzt schon oft zur Geburt selbstgenähte Kleidung oder gehäkelte Stofftiere verschenkt. Einmal auch eine Babydecke zur Hochzeit, weil ich wusste, dass die Braut in freudiger Erwartung war. Jedes Mal war es ein voller Erfolg, die Beschenkten voller Wertschätzung und jedes Teil ist in die Erbmasse gegangen. Die Babydecke zum Beispiel sehe ich seit fast drei Jahren auf sämtlichen Familienfotos, sie wärmt inzwischen schon das gerade geborene zweite Kind. Die Sachen haben doch eine ganz andere Qualität als Massenware von der Stange. Und es macht so viel Freude die Kleinen damit zu sehen. Man schenkt nicht nur ein Stück Stoff, es ist ein Teil der Kindheit. Ich liebe es. Leider ist mein Sohn auch schon 18. Aber ich habe früher auch alles gebraucht gekauft. Er hatte schlimm Neurodermitis und so waren die Sachen nicht nur preiswert, sondern auch schon oft gewaschen und keine Chemie mehr drin.

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  2. Hallo Edith,
    ich denke ein individuell gefertigtes Teil darf sogar etwas mehr kosten, als die unter schlimmsten Bedingungen entstandene Massenware, denn es ist ja ein gut durchdachtes und mit viel Liebe produziertes Teil entstanden, welches nicht nach Chemikalien stinkt.
    Hinzu kommt, dass die Kinder, wenn man gewisse Phasen mal außen vor lässt, ganz stolz darauf sind, etwas Besonderes zu tragen. Die Mütter aus meinen Kursen erzählen davon die tollsten Geschichten.
    Wenn die Teile dann auch noch in die Erbmasse gehen, wie es Viola so schön schrieb, ist es zudem eine tolle Wertschätzung.
    Ich habe für meine Kinder auch viel selbst genäht und auch so manches gebrauchte Teil erstanden, alles bestens erhalten.
    Toll ist, dass heute wieder viele Frauen selber nähen.
    Liebe Grüße von Heike




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  3. Hallo Frau H., Du sprichst mir aus der Seele! Als nähende und gewerbliche Mama geht es mir genauso - in punkto Stoffqualität und auch Preisberechnung! Reich wird man mit Sicherheit mit Nähen nicht, aber dafür steht auch die Leidenschaft im Vordergrund, und dass man selbst ein wunderschönes Nähwerk gestaltet hat. Meine Große (5!) entwirft sogar schon selbst Kleider und Taschen, die ich ihr nähen soll :). Auch das beflügelt mich sie und ihre Geschwister zu benähen :).
    Lieber Gruß,
    Sonja

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