Kleine Kolumne - was wohl die anderen denken?

Was wohl die anderen denken?

Mir ist es doch völlig egal, was andere von mir denken!“ … ich denke, jeder hat das schon in seinem Leben gesagt. Wie viel Wahres ist in dieser Aussage? Wenn ich jetzt sage: „Nichts!“, dann glaubt ihr mir das bestimmt nicht. Schauen wir doch gemeinsam einmal näher hin.

Ich gehe nicht ungeschminkt aus dem Haus, auch nicht zum Bäcker an der nächsten Ecke! Ich gehe nicht in Jogginghosen einkaufen! Und im Nachtschlappen nehme ich die Post an der Tür nicht entgegen! Mir fallen sicherlich noch etliche Beispiele ein, die ich in gewissen Situationen als unangebracht betrachte. Ich fürchte, ich kann mich auch nicht mit einem „persönlichen Tick“ heraus reden … mir ist schlicht und einfach unangenehm, was andere über mich denken könnten.

Schminke ich mich nicht, sehe ich krank aus. Wenn mich so jemand (ausser meiner Familie) sieht, dann könnte er ja denken: man, die sieht aber echt beschissen aus! Ich habe keine Ahnung, ob das jemand denkt … aber ehrlich? Ich möchte es auch nicht heraus finden. Vor allem würde ich ja auch nicht nachfragen.

Ich bin ein Nachtmensch und so passiert es schon, dass ich kurz vor Mittag (der Postbote kommt um 12 Uhr) noch im Gammellook durch das Haus laufe. Bin ich zudem noch völlig unpräpariert im Gesicht, dann muss der Postbote eben die Pakete in die Garage stellen. Und warum? Vermutlich denke ich, er denkt, dass ich eben etwas schlampig bin oder möglicherweise faul. Ob er das denkt, weiß ich nicht … ich werde ihn auch nie danach fragen!

Uns ist einfach nicht komplett egal, was andere über uns denken! Jeder hat seine schwachen Momente und irgendetwas gibt es sicherlich, dass er/sie niemals tun würde. Abgesehen von einer Schamgrenze haben wir auch das Bedürfnis, im bestmöglichen Licht da zu stehen. Und in einer lädierten Form mischt Frau sich auch nicht gern unter Menschen.

Fragt sich, ob das nur bei Frauen so ist!? Rein nach Gefühl, würde ich „ja“ sagen. Prozentual gesehen, ist es Männern vermutlich nicht ganz so wichtig, immer super auszusehen. Aber Männer finden es generell blöd, wenn sie eine Schrottkiste fahren und der Nachbar mit glänzendem Chrom aufwartet. Und warum? Weil sie denken, der Nachbar denkt, sie können sich das Chromgedöns nicht leisten! Da haben wirˋs! Derer gibt es sicherlich noch viel mehr Situationen.

Oder denkt doch einmal an das heikle Thema der Mutterschaft! Was tun wir nicht alles, um als gute Mutter anerkannt zu werden und die Lütten sauber und adrett aussehen zu lassen. Nee klar, das machen wir nicht, weil uns andere Mütter egal sind … vor allem, was sie denken und wie sie mit anderen Müttern lästern können! Ein buchfüllendes Thema!

Ganz nach dem Motto „mein Haus, mein Boot, mein Auto“ sind wir alle bestrebt, eine passable Erscheinung abzugeben. Manchmal machen wir das für unser eigenes Wohlbefinden, manchmal aber auch für die lieben Mitmenschen. Schon kleine Kinder wollen gefallen … es steht zu befürchten, dass wir diese Eigenschaft niemals ablegen.

Nun gibt es aber Individualisten, die allgemein darauf pfeifen, was andere von ihnen denken. Ich dachte mal, ich gehöre zu ihnen. Ich kleide mich in schwarz, ist mir total egal, was andere davon halten. Ich lebe zurück gezogen, auch hier ist es mir egal, was meine Nachbarn darüber denken. Und das Automodell eines Mitmenschen kratzt mich nicht. Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch und hier weiß ich auch, was andere manchmal darüber denken … ist halt doof! Und manchmal macht es mir auch total Spaß, irgendwie ein wenig zu provozieren … und da macht es mir Freude, weil ich sehen kann, was die Menschen dann über mich denken :-)

Ich denke, es ist gesund, sich auch über andere Menschen Gedanken zu machen. Was würde ich denken, wenn ich mir selber die Post bringen würde und mich im Schlabberlook mit wirrem Haar und fleckiger Haut an der Tür antreffen würde? Vermutlich nichts gutes! Mich würde schon interessieren, was so ein Postbote tagtäglich sieht und was er darüber denkt … mal sehen, vielleicht frage ich ihn doch mal.

Anmerken möchte ich, dass jede von mir geschriebene Kolumne niemals verallgemeinern möchte und vor allem meine Gedanken widerspiegelt. Klar oder?

Wie sieht das bei euch aus?
Eure Meinung interessiert mich sehr :-)

Macht es euch fein
Edith



Kommentare

  1. ganz ehrlich? also ich denke auch manchmal, was andere denken würden, wenn....
    und mache mir auch so meine gedanken über andere.
    da bin ich wohl nicht besser als jeder/die meisten *lach*

    auf jeden fall konnte ich heute herzlich lachen, bei der vorstellung mit dem postboten etc.

    liebe grüße
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  2. Da mein Exmann bei der Post arbeitet und zwar schon seit seinem 16. Lebensjahr kann ich dir sagen, was die da denken. Nämlich genau das was du vermutest. ;-) In den Pausen und nach Feierabend wird tüchtig geredet und ein Desinfektionsspray steht dauernd parat. Man nennt manche Damen Madame Pipi, wegen ihres dauernden Uringeruchs und zieht sich schnell zur Toilette zurück und überlässt den Kollegen das Feld, wenn der dicke Mann mit dem penetranten Schweissgeruch zur Tür herein kommt. In der Mittagspause sitzt man draussen gemeinsam mit den Zustellern, im Hof und hört sich lustige Geschichten an, von der Dame, die in Erwartung ihres Liebhabers nackt an die Tür kam und dann mächtig rot wurde..... aber wenn es dann zu Hause ankommt, fällt kein Name, denn das ist absolut verboten und unterliegt dem Datenschutz. Die sehen vieles und hören vieles. Dinge, die man lieber nicht sehen und hören möchte. Aber es ist ein Job. Und jeder redet über jeden. Das macht das Menschsein aus und muss nicht negativ sein. Es signalisiert auch Interesse am Anderen. Wenn uns alles egal und jeder unwichtig wäre würde es schlimm aussehen auf der Welt. Denn wenn wir uns mal Personen ansehen, denen jeder und jedes wurscht ist, die einfach leben wie sie wollen, sind meist sehr unbeliebt. :-)

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  3. Ich bin erstaunt, dass du so viel auf die Meinung anderer gibst. Nun kenne ich dich ja nicht persönlich, sondern "nur" durch deinen Blog, aber es erstaunt mich schon.

    Ich gehöre tatsächlich noch zu denen, denen es wirklich und wahrhaftig egal ist, was andere denken. Ich öffne jedem im Schlabberlook die Tür, gehe im Nachthemd das Altpapier an die Straße stellen. (Wobei Nachthemd auch so ein Begriff ist *lach* geht bei mir auch als langes Shirt oder Tunika durch)
    Ich wohne schon immer auf dem Dorf, habe es nur einmal gewechselt. Aber Dorf bleibt Dorf. Ich weiß, dass im Dorf über mich geredet wird. Früher als die böse Mama, die ihre Kinder knapp 2km mit dem Fahrrad zur Schule schickt, obwohl die meisten doch mit dem Auto gebracht wurden. Jetzt, weil ich anders angezogen bin und weil ich einfach ZU direkt und EHRLICH bin. Wenn ich etwas nicht so toll finde, oder gar Menschen nicht mag, dann wissen die es.... und alle anderen auch.
    Natürlich macht man sich damit nicht immer Freunde, aber Gott sei Dank bin ich eh kein Menschenfreund, da passt es dann wieder.
    Meinen Kindern bin ich manchmal peinlich, da nehme ich dann schon Rücksicht und ziehe die verwaschene Hose die ich zum Zimmer streichen anhatte aus, wenn wir zusammen einkaufen fahren. Ich persönlich würde auch so los stiefeln.
    Aber das ist ja das schöne an uns Menschen, jeder so wie er es mag.
    Das sagt meine Mama immer.

    Liebe Grüße susanne

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    1. Wenn du Rücksicht auf deine Kinder nimmst, ist dir ja dann doch nicht egal was andere denken. 😘 Und das ist ja auch gut so. Du unterscheidest da, ob Menschen dir wichtig sind oder nicht. Und wenn jemand sagt, dass er kein Menschenfreund ist, hat er in der Regel schlechte Erfahrungen gemacht und möchte so etwas nicht noch einmal erleben. Da benimmt man sich auch schonmal unbewusst abstossend, damit ja keiner auf die Idee kommt Kontakt zu suchen. Einsamkeit ist wohl eher erträglich als Abweisung und Enttäuschung. Ist die Frage ob es dir auf Dauer gefällt und du dann später vielleicht Probleme hast wieder Anschluss zu finden, weil dich inzwischen alle merkwürdig finden, besonders auf einem Dorf. Der Ruf ist schnell ruiniert aber es braucht viele Jahre ihn wieder herzustellen. Ich finde es übrigens sehr sinnvoll, dass Kinder zur Schule mit dem Rad fahren. Mein Sohn ist die Strecke über 11 Jahre gelaufen, weil er Fahrrad fahren blöd fand. So hatte er sein tägliches Pensum Bewegung und war morgens wach, wenn er ankam. Was Kleidung betrifft ist es ja manchmal auch eine Frage des Respekts anderen gegenüber. Grundsätzlich würd ich auch in jedem Zustand die Tür aufmachen, auch nackt, weil ich kein Problem mit meinem Körper oder mir selbst habe. Aber aus Respekt vor den Gefühlen der Anderen mache ich es nicht. Zum Beispiel lieg ich nicht oben ohne im Garten, wenn ich weiss, dass meine muslimischen Nachbarn im Garten sind oder gehe sauber einkaufen, weil ich dem Personal signalisieren möchte, dass ich ihre Arbeit zu schätzen weiss. Aber ich war natürlich auch schon in Malerhose schnell mal im Baumarkt, weil Farbe fehlte. Das muss man von den Umständen abhängig machen. Weisst du was ich glaube ? Du bist eine ganz liebe und vermutlich sehr sensibel. Und da geht man gerne auf Abstand, traut es sich aber nicht den anderen zu sagen und reagiert dann so. Aber ich kann mich natürlich auch täuschen. 😚

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  4. Liebe Susanne, liebe Violetta ...

    ich danke euch für diese Diskussion. Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Respekt ist ein großartiges Wort ... leider wurde er in meiner Generation noch oft eingeprügelt. Und das Resultat daraus war (ich schrieb ja, dass ich als Jugendliche ganz andere Perspektiven hatte), ich hatte keinen! Als junge Frau war ich erst einmal gegen alles und mir war es tatsächlich sch....egal, was andere über mich dachten! Ich habe keine 360-Grad-Kehrtwende seitdem durchgemacht, bin aber in etlichen Situationen angepasster. Dennoch lebe ich mein eigenes, kreatives, manchmal verrücktes Leben und lasse Menschen, die das nicht respektieren einfach draußen. Im Übrigen mag ich Menschen auch am liebsten aus der Ferne ... aber es dürfen auch welche nah an mich heran. Das wiederum basiert nicht auf Enttäuschungen, sondern sind vielmehr eine Begleiterscheinung meiner Krankheit. Eines gilt immer noch: je schwieriger ein Mensch erscheint, desto interessanter ist er für mich. Ich glaube, ich bin vom Thema ab ... egal ... Respekt

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    1. Liebe Edith, Liebe Violetta, ihr habt so recht...
      Ich mag Menschen wirklich lieber auf Distanz. schon als Kind, als Jugendliche, als erwachsene Frau. Natürlich habe ich eine Handvoll guter Freunde. Aber niemand ist sooo gut, dass er mein ganzes Leben weiß.
      Ich habe tatsächlich lieber meine Ruhe und gebe bei meinen Kindern eher nach, als dass ich denke ich weiche von meiner Persönlichkeit ab. Mir ist es wirklich egel, aber ich nehme Rücksicht auf meine Kinder und passe mich dadurch dann oft der Norm an. Als Geschäftsfrau falle ich auch meist aus dem Rahmen, weil ich mich nicht schminke, oder keine super schicken Klamotten an habe. Mir ist das nicht wichtig, mir ist auch egal wie mein Gegenüber aussieht oder was er trägt.
      Mach weiter so, Edith. Es gefällt mir gut hier bei dir.
      Liebe Grüße Susanne

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