Die kleine Kolumne - Mein Style


Mein Style

Das hier ist heute eine Betroffenheits-Kolumne. Mich hat die Aussage einer Frau (Name ist der Redaktion bekannt), ich würde in meinen Klamotten „Asi“ aussehen, ziemlich getroffen. Ehrlich, ich komme damit nicht so gut klar, wie ich es mir wünsche. Und darum habe ich dieses Thema gewählt. Aber vielleicht geht es einigen von euch so, dass ihr mit einer allgemeinen Verunsicherung vor dem Kleiderschrank steht :-).

Es gibt Frauen, die kleiden sich farblich nach ihrer Laune … je heller, desto fröhlicher die Grundstimmung. Gut, damit trage ich also seit 44 Jahren Trauer … schmunzel … ich ziehe, seitdem ich 12 Jahre alt bin, fast nur schwarz an. Ein fröhliches Grau und ein militärisches Grün peppt meinen Kleiderschrank auf. - ich habe gar keinen Kleiderschrank - :-) … mein Mann und ich haben ein kleines Zimmer zu einer Art begehbarem Kleiderschrank ausgestattet. Links hat er seine Klamotten, rechts ich. Beim Betreten des Zimmers fällt neben der vorherrschenden Unordnung sofort eines ins Auge: alles schwarz! Seine Seite auch.

Schwarz hat viele Vorteile: alles passt zusammen, es soll schlanker machen und sieht immer irgendwie „angezogen“ aus. Der Nachteil: such mal auf der Kleiderstange nach einem bestimmten Teil … dauert ewig. Und ich finde, es passt besonders gut zu blond und blass … hat einen leicht morbiden Charme.



Morbide ist für mich kein Problem, ich bewegte mich lange Zeit in der Gothicszene … da störten nur immer die blonden Haare … und ich war eine Art „Light-Goth“. Als Mädchen, also mit 12, trug ich Bundeswehrparka, schwarze Rollkragenpullover und Springerstiefel … auch im Sommer, sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die diese Aufmachung im Sommerurlaub als sehr bedenklich betrachtete. Schon damals war irgendwie klar, dass ich niemals rosa tragen werde!

Sagen wir mal so: ich bin, was meinen Style angeht, sehr eigensinnig. Jeder Ausflug in die „Edith trägt was buntes“ Schiene war für mich wie Karneval; ich habe mich verkleidet. Analyse anderer, die mich nicht so gut kennen: du willst dich verstecken! Soso. Ich habe keinen Grund, mich zu verstecken. Ich bin groß, habe (jetzt) eine sehr weibliche Figur und gehe aufrecht durchˋs Leben. Kein Grund, sich zu verstecken.


Ich mag einfach schwarz. Als ich noch als Journalistin im Einsatz war und Interviewtermine hatte, war ich immer perfekt angezogen. Schwarz geht immer und kann auch sehr elegant aussehen.

Zur Zeit gehe ich ein wenig back to the roots, so nenne ich das mal. Hippiestyle ist angesagt: weite Kleider aus Ökomaterialien, bequem und in meinen Augen passt das ziemlich gut zu mir, bin ja im Herzen ein Hippie. Ok, die Kleider sind im Allgemeinen ziemlich weit. Meine Figur sieht man gar nicht, macht mir aber nix. Es wird gesagt, dass ich viel dicker aussehe, als ich bin. Menno, ich bin keine Elfe mehr :-). Zudem dürfen und können diese Kleider nicht eng sein! Geht in meinen Augen gar nicht! Aber das ich damit „schlampig“ und „asi“ aussehe war mir nicht bewusst. Immerhin sind das Kleider von einer Markenfirma, die sich darauf spezialisiert hat, dieses Design zu verkaufen. Es ist eine Art japanischer Style für größere Frauen, schlicht, schnörkellos. Oder sie sind selbst genäht.



Ihr seht, dieses Thema beschäftigt mich sehr. Also ich laufe jetzt nicht los und besorge mir engere, buntere und modischere Klamotten … das wäre einfach nicht ICH, das wäre eine fremde Frau. Aber wie werde ich diese Aussage los, wie verbanne ich sie aus meinem Gehirn? Mein Selbstbewusstsein steht auf wackeligen Beinen und hat dadurch einen kleinen Kniefall erlitten. Ich will nicht so eine Memme sein, aber ich nehme mir solcherlei Aussagen sehr innig zu Herzen. Verdammt!

Irgendeine Idee, wie ich das managen kann?

Heute scheint die Sonne
macht es euch fein

Edith



Kommentare

  1. Ich weiß, wie es dir geht... oder zumindest wie du dich fühlst. Ich hatte vor kurzem einen blogbeitrag zu einem ähnlichen thema. Es tut weh, wenn man so persönlich angegriffen wird, weil das was man trägt das ist, was man wiederspiegeln möcht. Was man ist. Da ist, wie du sagst entwicklunng dahinter. Das hat geschichte. Bedeutung. Und kann mit einem schlichten kommentar zunichte gemacht werden.
    Mich hat eseinige tage hart getroffen. Aber so viele haben mich ermutigt, nicht auf solche stimmen zu hören sondern meinen weg weiter zu gehen. Dein stil ist toll, weil du es bist!
    Bussis andrea

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    1. Liebe Andrea ... das tut so gut, das zu lesen. Ich stehe ja zu meinen Klamotten, aber das so eine Aussage mich derart aus der Bahn werden kann, ärgert mich richtig!

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  2. Eine schwierige Frage, von wem kam denn diese Aussage, kennt derjenige Dich gut? Dann würde ich ein Gespräch suchen. kennt er/sie Dich nicht, fände ich es weniger wichtig. Du hast deinen Weg und deinen Stil anscheinend doch gefunden. hast Du den Film embrace geschaut? Der hilft Dir vielleicht, eine Lösung für solche Situationen zu finden

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    1. Den Film kenne ich noch nicht, werde ich mir ansehen ... Danke für den Tipp

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  3. Liebe Edith,

    ich fühl mich auch in schwarz zuhause - und ich bin bis vor ein paar Jahren auch noch genau so eingelaufen wie du es aus deiner Jugend beschreibst.

    Dieser Stil ist eben kein Mainstream, und das ist ganz wunderbar so. Es zeugt in meinen Augen von Stil, Individualität und Intelligenz sich keiner Mode zu beugen.

    Ich finde deinen Stil klasse und sehr inspirativ.

    Und wenn nun jemand offenbar weder empathisch noch phantasievoll genug ist um die Klasse in deiner Erscheinung zu erkennen, sollte es dir egal sein.

    Das ist es offenbar nicht, und es tut mir leid, dass es dich verletzt, das sollte es nicht! Menschen, die do etwas sagen, sind in Wahrheit ganz kleine, arme Würstchen und wahrscheinlich ziemlich einsam, dumm und Neid erfüllt.

    Nimm die Person im Geiste in den Arm und verzeih ihr, auch wenn es schwer fällt.
    Ich hab zumindest die Erfahrung gemacht, dass es mir dabei hilft mich selbst zu lieben, wenn ich anderen vergebe.
    Und Selbstliebe ist der einzige Weg zu einem gesunden Selbstwertgefühl.

    Liebe Grüße,
    Sonja

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  4. Du bist einfach toll! Warmherzig, lieb, freundlich und klug. Wer das anders sieht, soll sich trollen...

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    1. Oh Bärbel ... ich weine gleich ... du bist so zauberhaft 😘

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  5. In meiner Jugend habe ich selbstgestrickte Pullover und Röcke getragen, Lederrucksack... irgendwie öko. Dann kam auch jahrelang eine schwarze Phase. Es war klassisch, passte gut zu meinem Typ und ich fand es einfach schick. Alles passte prima zusammen, ich hatte viel silbernen Schmuck dazu. Fanden auch viele schlimm. Ewig hat man mich belustigt gefragt ob jemand gestorben ist oder mir gesagt, dass früher nur verwittwete Omas in schwarz herum gelaufen sind. Aber das allerschlimmste Erlebnis hatte ich auf dem Weg zur Arbeit. Ich radel am frühen Morgen zur Arbeit, da brüllt mich ein Mann auf der Strasse an, dass ich eine fette Kuh sei, ekelhaft, eine Zumutung fürs Auge, was ich auf der Strasse verloren hätte, ihm würde schlecht, ich soll mich umbringen....ich bin einfach tapfer weiter geradelt und habe mich gar nicht dazu geäussert aber noch Wochen später konnte ich an nichts anderes denken. Es war unglaublich verletzend. Ich hatte Kleidergrösse 44 und fand mich selbst auch nicht gerade schlank wie ein Reh aber bis dahin war ich sehr beliebt bei Männern und hatte nie Probleme. Was soll man da machen ? Da gibt es wohl keinen Rat, der dir helfen könnte. Man muss irgendwie damit klar kommen. Wichtig ist, dass man sich selbst mag, sich in seiner Kleidung wohl fühlt und der Partner einen darin gerne sieht. Und was ist die Aussage asozial in Verbindung mit Kleidung überhaupt ? Man hat mir beigebracht, dass asozial gemeinschaftsschädigend bedeutet. Wie soll denn deine Kleidung gemeinschaftsschädigend sein ? Und dann verbindet man asozial wohl auch eher mit ungepflegt oder schmutzig, kaputt.... versteh ich nicht. Meine Uroma hat bei solchen Dingen immer nur gesagt : Lasst die Kindlein lallen, denn sie sind auf den Kopf gefallen. :-)
    Irgendwann wirst du drüber stehen. Hör dir das Lied Lass se reden von den Ärzten an, dann hast du was zu lachen. Tapfer durchhalten und fröhlich weiter leben. Manchmal haben Menschen niemanden und leben ein einsames, frustriertes Leben. Da kommst du gerade recht, um mal so richtig Frust abzubauen.

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  6. Liebe Edith,
    oft lässt man sich hinreißen, Dinge zu sehr an sich heran zu lassen.
    Und wenn man darüber nachdenkt, ist es "nur " ein schlechtes Gefühl.
    Ein solches schlechtes Gefühl oder Ärgernis versuche ich immer in Gedanken in schönes buntes Geschenkpapier ein zu packen, mit Schleife drum und stelle es dann in Gedanken in eine Ecke oder in den Keller. Damit lasse ich meine schlechten Gedanken mit einem Lächeln los.
    So wie du bist bist du richtig und was die Person gestört hat sind ja nur Äußerlichkeiten.
    Wichtig ist doch dein Herz und deine Seele und die sprühen doch vor Farben und Kreativität...

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  7. Hallo Edith,
    ich musste mir auch schon öfter eingestehen, dass es mir nicht wurscht ist, was die Leute von mir denken. Aber .. es ist mir schon viel wurschter, als es früher war. Leute, die ich nicht kenne und Leute, die ich nicht mag sind mir mittlerweile herzlich egal. Ich betrachte es doch als Energie-und Zeitverschwendung sojemanden die Macht zu geben, mein Leben zu beeinflussen und sogar über meinen Seelenfrieden zu entscheiden. Als ich das seinerzeit kapiert habe, wurde es deutlich ruhiger auf der "ups-da-kann-mir-wer-wehtun"-Front. Frau muss sich halt die Zeit geben das zu lernen. Schließlich wird uns ja überall suggeriert, dass wir zu gefallen haben und so ... Sei geduldig mit dir. Du bist - so liest sich das für mich - auf einem guten Weg. .... und by the way: Black rules! LG Susanne

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